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Kommende Konzerte:

Donnerstag, 09. Oktober 2014, Konzert in Oulu, Finnland

Oulu Music Centre, 19.00 Uhr

Programm:

  • Glinka, Michail Ivanowitsch (1804-1857): Ruslan und Ludmilla Ouvertüre
  • Saint-Saens, Camille (1835-1921): Havanaise Op. 83
  • Saint-Saens, Camille (1835-1921): Introduktion und Rondo Capriccioso für Violine und Orchester Op. 28
  • Bruckner, Anton (1824-1896): Sinfonie Nr. 3 d-moll

Oulu Symphony Orchestra unter Ari Rasilainen

http://bachtrack.com/de/22/291/view/208043

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Samstag, 25. Oktober 2014, Konzert in Vic, Spanien

Auditorio Teatro Atlantida de Vic

gemeinsam mit Rinko Hama, Klavier

Programm:

  • Ludwig van Beethoven, Sonate Nr. 7 für Violine und Klavier, c-moll
  • Felix Mendelssohn, Sonate für Violine und Klavier, F-Dur
  • César Franck, Sonate für Violine und Klavier, A-Dur

http://latlantidavic.cat/programacio/grans-concerts/mikhail-ovrutsky-violi/

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Vergangene Konzerte:

Spanientournee 2014

Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Karl-Heinz Steffens


Montag, 20. Januar 2014, Konzert in Zaragoza

Auditorio de Zaragoza, 20.15 Uhr

Mittwoch, 22. Januar 2014, Konzert in Alicante

ADDA – Auditorio de la Diputación de Alicante, 20.00 Uhr

Donnerstag, 23. Januar 2014, Konzert in Castellón de la Plana

Auditorio de Castellón, 20.00 Uhr

Freitag, 24. Januar 2014, Konzert in Vic

Teatre L’Atlantida, Sala Ramón Montanyà, 20.30 Uhr

 

Programm:

  • Ludwig van Beethoven, Ouvertüre Nr. 3 zu “Leonore”, op. 72
  • Ludwig van Beethoven, Konzert für Violine und Orchester D-Dur, op. 61
  • Robert Schumann, Sinfonie Nr. 1 B-Dur, op. 38 “Frühlingssinfonie”

http://www.staatsphilharmonie.de/konzerte-und-tickets/

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Neuseeland Tournee 2014

New Zealand Symphony Orchestra unter Pietari Inkinen

 

Dienstag, 1. April 2014, Konzert in Napier

Municipal Theatre, 19.00 Uhr

Donnerstag, 3. April 2014, Konzert in Hamilton

Founders Theatre, 19.30 Uhr

Freitag, 4. April 2014, Konzert in Auckland

Town Hall, 19.00 Uhr

Samstag, 5. April 2014, Konzert in Wellington

Michael Fowler Centre, 19.30 Uhr

Mittwoch, 9. April 2014, Konzert in Dunedin

Town Hall, 19.00 Uhr

Donnerstag, 10. April 2014, Konzert in Christchurch

CBS Canterbury Arena, 19.00 Uhr

 

Programm:

  • Richard Wagner: Siegfried Idyll
  • Erich Korngold: Violinkonzert
  • Peter Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 4

http://www.nzso.co.nz/concerts/concert/visions-happiness/

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Meisterkurs:

2. April 2014, Waikato University Hamilton, Neuseeland, Uhrzeit tba

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Polen 2014

Warsaw Philharmonic Orchestra unter Pietari Inkinen

9. Mai 2014, Konzert in Warschau, Polen

Konzerthalle, 19.30 Uhr

10. Mai 2014, Konzert in Warschau, Polen

Konzerthalle, 18.00 Uhr

Programm:

  • Wilhelm STENHAMMAR - Excelsior! Konzert Ouvertüre Op. 13
  • Dmitri SHOSTAKOVICH – Violinkonzert Nr. 1 in a-Moll Op. 77
  • Jean SIBELIUS – Sinfonie Nr. 1 in e-Moll Op. 39

http://www.filharmonia.pl/koncerty_wlasne.en.html;2014;5?PHPSESSID=7da7d6a65807b92d5f7d39f25e557063

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Samstag, 07. September 2013, 17.00 Uhr

KUNST!RASEN Bonn Gronau

Beethoven Orchester Bonn, Stefan Blunier, Dirigent

Mikhail Ovrutsky und Artur Chermonov, Violine

Programm:

Pablo de Sarasate Navarra op. 33 für 2 Soloviolinen und Orchester (1889)

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Sonntag, 29. September 2013, 11.00 Uhr (Einführung 10.15 Uhr)

Montag, 30. September 2013, 19.30 Uhr (Einführung 18.45 Uhr)

Staatskapelle Halle, Ari Rasilainen, Dirigent

Georg-Friedrich-Händel-Halle, Halle

Programm: Nordische Sagenwelten

Edvard Grieg »Peer Gynt« Suite Nr. 1 op. 46
Carl Nielsen Konzert für Violine und Orchester op. 33
Jean Sibelius Sinfonie Nr. 6 d-Moll op. 104

http://buehnen-halle.de/produktionen/sinfoniekonzerte

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Mikhail Ovrutsky im Gespräch mit Maja Ellmenreich über Heimat und musikalische Heimat

 

Deine drei Lebensstationen – Russland, USA und Deutschland – sind das Thema der vorliegenden CD. Ziehst Du gern um?

Früher schon, aber jetzt nicht mehr, ich bin vielleicht zu häufig umgezogen… einpacken, Wohnung suchen, auspacken, dann sich an den neuen Ort gewöhnen, das ist immer mühsam.

Was ist Dein liebstes Transportmittel?

Eigentlich der Zug! Man reist schnell und komfortabel, und man kann sich dabei sinnvoll beschäftigen. Flugzeug ist zwar schneller, aber auch strapaziöser, hinterher spüre ich z. B. die Auswirkungen der Druckveränderung. Im Zug bin ich wirklich entspannt, man bleibt auf der Erde. Ich schaue dann gern Filme, wenn ich meinen Laptop dabei habe, oder höre ab und zu Musik mit dem iPod.

Welche Musik hörst Du beim Reisen?

Eher weniger klassische Musik. Ich mag Queen oder die Beatles, also doch eher die etwas älteren Sachen, oder auch meditative Klänge. Das passt besonders gut zum Zug fahren, wenn die Landschaft an einem vorüberzieht.

Kommen wir noch einmal auf diesen Dreiklang zurück: Moskau – Philadelphia/New York – Köln/Bonn. Drei große Stationen in einem relativ jungen Leben. Wo ist Deine Heimat?

Das ist schwer zu sagen. Meine Eltern leben in Amerika, und ich komme immer wieder sehr gern dorthin zurück. In Moskau habe ich die ersten elf Jahre meines Lebens verbracht, russisch ist meine Muttersprache, ich bin dort geboren und fühle mich mit Russland und mit Moskau sehr verbunden. Ich bin aber nur vielleicht einmal in zwei Jahren dort. Ich denke schon, dass Deutschland bzw. Köln inzwischen mein Zuhause geworden ist.

Und wo ist Deine musikalische Heimat?

Ich würde sagen, hier in Deutschland, in Köln, denn hier habe ich am meisten gelernt. Natürlich haben wir, als ich klein war, beim Tschaikowsky-Wettbewerb zugehört, und ich war oft im Bolshoi-Theater – dort war mein Vater Flötist im Orchester. Das sind meine ersten Erinnerungen an Musik überhaupt. Aber die wichtigste Zeit, so ab 17, 18 Jahren, in der am meisten passiert, verbrachte ich hier in Deutschland.

Du bist in Moskau aufgewachsen und hattest dort bereits eine Spezialschule für musikalisch hochbegabte Kinder besucht. Danach findet man die Juilliard School in Deiner Vita, das Curtis Institute, die Manhattan School of Music und schließlich die Musikhochschule in Köln. Welche Schule, welcher Lehrer hat bei Dir denn die tiefsten Spuren hinterlassen?

Alle Lehrer waren natürlich wichtig. Aber schon als ich elf Jahre alt war, als Vengerov und Repin in Professor Brons Klasse waren, habe ich davon geträumt, dass auch ich ihm einmal vorspielen würde. Eines Tages hat es dann tatsächlich geklappt, und das war ein tiefer Einschnitt in meinem Leben. Ich hatte seit fünf Jahren in Amerika studiert, verließ nun im Alter von sechzehn Jahren meine Familie und kam allein nach Deutschland, um bei ihm zu studieren. Es folgte die wahrscheinlich schönste und musikalisch intensivste Zeit meines Lebens.

Jetzt hat Zakhar Bron dich zu seinem Assistenten ernannt. Was bist du für ein Lehrer?

Ich unterrichte nur seine, allesamt hochbegabten Schüler. Ich versuche daher Professor Brons Unterricht weiter zu vertiefen. Zunächst achte ich einfach darauf, was mir auffällt. Dann versuche ich technisch zu helfen oder beim Verständnis, wenn z. B. mit der Form etwas nicht ganz klar ist, zu unterstützen.

Verlassen wir Köln und Bonn, und gehen einen Schritt zurück. Als Du 11, 12 Jahre alt warst, bist Du mit Deinen Eltern und Deiner Schwester von Moskau nach Philadelphia gezogen, wo schon ein großer Teil eurer Verwandtschaft lebte. War das dennoch ein großer Kulturschock für Dich, von Russland in die USA zu ziehen?

Das war meine erste Reise mit einem Flugzeug überhaupt – ein Tag, an den ich mich noch gut erinnere. Als wir in den USA gelandet sind, war mein erster Eindruck: Wow! Farben! Überall Leuchtreklamen, alles strahlt und glänzt!

Auf der einen Seite Farben und neue Möglichkeiten, auf der anderen hast Du damals kaum Englisch gesprochen…

Meine Schwester hatte in der Schule schon länger Englisch gelernt, ich nur vielleicht ein halbes Jahr. Das war nicht so einfach, denn ich ging sofort in eine Public-Middle-School und habe erst einmal nichts verstanden. Nach einem halben bis ganzen Jahr konnte ich aber schon ganz gut sprechen, fand Freunde, und als ich mit 15 an das Curtis Institut kam, da lief alles schon besser.

Nun hast Du Dir für diese CD Musik ausgesucht, die die drei Länder deines Lebens repräsentiert. Wie ist die Idee zu diesem Programm entstanden? Wie kam es zu der Auswahl der Stücke?

Der erste Gedanke war, etwas aus jedem dieser Länder zu nehmen. Die Wahl fiel auf Musik, die mir sehr nahe ist. Tschaikowsky zum Beispiel ist meine Hauptassoziation mit Moskau. In meinen frühen Jahren habe ich seine Opern, Ballette und Sinfonien gehört. Meine Mutter arbeitete damals beim Radio und hat immer Aufnahmen mit nach Hause gebracht, und ich erinnere mich, dass wir seine »Mélodie« oder auch die »Méditation« oder das Violinkonzert mit Oistrach gehört haben. Das sind meine frühesten musikalischen Erfahrungen gewesen.

Tschaikowskys »Souvenir d’un lieu chèr«, also »Erinnerungen an einen geliebten Ort«, ist ein nostalgisches Stück. Steckt darin für Dich viel »russische Seele«?

Auf jeden Fall. Tschaikowsky hat das Stück dem Ort gewidmet, wo er es geschrieben hat. Er hat sich mit diesem Ort also sehr verbunden gefühlt, und so empfinde ich für Moskau. Ich denke an die Musikschule, meine Freunde, meine Verwandten, die dort noch leben, und eben vor allem an meine ersten musikalischen Erfahrungen.

Auch Deine Schwester lebt nicht mehr dort, sondern in Philadelphia. Mit ihr spielst Du Musik, seit Du überhaupt musizierst. Tschaikowsky mit ihr zu spielen – ist das besonders leicht?

Es stimmt, schon in meinen frühesten Erinnerungen spiele ich zusammen mit meiner Schwester, und mit ihr fühle ich mich unglaublich wohl, egal was wir spielen. Wir kennen und verstehen uns ohne Worte. Darüber hinaus verbindet sie mit Tschaikowsky natürlich ebenso intensive Erinnerungen wie ich.

Bleiben wir noch kurz in Moskau und kommen auf Prokofjew zu sprechen. Bei Tschaikowsky gibt es lyrische und virtuose Passagen, bei Prokofjew sehr viel Lyrisches. Sind die Fünf Melodien für Dich typisch Prokofjew?

Für mich ist alles typisch Prokofjew, was mit Magie oder Märchen zu tun hat, ein bisschen wie bei Britten. Immer wenn ich Prokofjew höre, bin ich von der Vielfalt an Farben beeindruckt, man kann sich dabei unglaublich viele Bilder vorstellen. Ich denke z. B. an russische Märchen, Wälder… der Tschaikowsky ist unglaublich schön und lyrisch. Prokofjew ist anders, es geht bei ihm um Geschichten und die passende Atmosphäre.

Wir begegnen den Amerikanern und Gershwin bei der nächsten Station auf Deinem Lebensweg: Liegt Dir diese jazzige Musiksprache?

Ich spiele Gershwins Stücke sehr gern, auch weil Jasha Heifetz sie arrangiert hat. Er spielte auf einer der ersten CDs, die ich in Amerika gehört habe, und ich war sofort ein großer Fan von ihm. Sein Ton, seine Technik, vor allem sein Zeitgefühl und seine Phrasierung sind beeindruckend. Er hat die meiste Zeit seines Lebens in Amerika gelebt, und in diesen Arrangements meine ich ein bisschen herauszuhören, wie amerikanische Musik auf ihn gewirkt hat. Wenn ich ihn damit höre, stelle ich mir vor, wie er mit seinem Geigenkasten durch New York läuft und sich umschaut… So habe auch ich mich in den ersten Tagen und Wochen in New York gefühlt, z. B. wenn ich aus dem Zug gestiegen bin und mir fast den Hals umdrehen musste, um den Himmel zu sehen.

Bach und Gershwin, gehören die beiden für Dich in zwei unterschiedliche Schubladen?

Die Interpretationen Bachscher Musik variieren sicher nicht viel weniger als die von Jazzstandards, und es gibt Musiker, die finden Bach durchaus jazzig. Natürlich sind da große Unterschiede, aber es gibt vielleicht mehr Parallelen, als manch einer denkt.

Warum hast Du ausgerechnet diese Bach-Sonate ausgewählt?

Die g-Moll-Sonate ist das erste Stück für Solovioline, das ich in den USA gelernt habe. Sie ist das erste, was mir überhaupt in den Sinn kommt, wenn ich an Geige als Soloinstrument denke. Ich sehe sie auch als einen der wichtigen Steine im Fundament der Geigenliteratur. Manche Sätze sind technisch weniger anspruchsvoll, aber man sollte schon etwas an musikalischer Erfahrung, aber auch Lebenserfahrung mitbringen. Man muss eine genaue Vorstellung haben, was man vermitteln will.

Bei Mendelssohns F-Dur-Sonate stelle ich mir Dich und Deine Schwester vor, wie Ihr dieses Stück schon ganz früh miteinander gespielt habt. Ihr habt Euch hier für die Menuhin-Fassung aus dem Jahre 1953 entschieden, obwohl es mittlerweile ja eine Urtextfassung gibt. Steckt  mehr Menuhin oder mehr Mendelssohn in dieser Fassung?

Ich kenne die Urtextausgabe, aber für mich ist das wie mit dem d-Moll-Konzert: es gibt Stücke, die Mendelssohn selber später geändert hat. Nun hat Menuhin dieses Stück ja überhaupt erst entdeckt und herausgegeben, es wurde also vorher nie gedruckt. Deswegen kann man überlegen, ob Mendelssohn an seinem Notentext noch etwas geändert hätte, wenn das Stück hätte verlegt werden sollen. Nun ist Menuhin ein großes Vorbild für alle Geiger und hat sich viele Gedanken darüber gemacht. Mir erscheint seine Fassung formal klarer als der Urtext, und darüber hinaus wollte ich ihm mit meiner Wahl Respekt zollen. Ich spiele das Stück zwar erst, seit ich in Deutschland bin, aber meine Schwester und ich nehmen die Sonate oft in unsere Konzertprogramme auf, auch weil man sich vorstellen kann, dass Mendelssohn selbst sie mit seiner Schwester Fanny gespielt haben könnte. Diesen Gedanken finden wir inspirierend.

Mittlerweile seid Ihr zwei erwachsene, sehr erfolgreiche Musiker. Habt Ihr Euch immer gut verstanden, sowohl musikalisch, als auch als Geschwister?

Gute Zeiten, schlechte Zeiten… (lacht) – nein, wir haben ein sehr enges Verhältnis. Trotzdem verstehen wir uns am besten, wenn wir musizieren. Wenn es überhaupt einmal eine Meinungsverschiedenheit gibt, dann komischerweise nie über Musik. Bei anderen ist es oft andersherum. Sie war zunächst einmal diejenige, die mir sagte, die Geige sei mein Instrument. Sie spielte damals schon jahrelang Klavier, aber sie liebte auch den Klang der Geige, und vielleicht hatte sie schon damals den Gedanken, dass wir zusammen musizieren würden. Ich erinnere mich sogar an den Tag, an dem sie mich über-zeugte, unseren Vater um eine Geige zu bitten. Damals war ich vier Jahre alt. Letztlich habe ich also all dies ihr zu verdanken.

Maja Ellmenreich ist Kammermusik-Redakteurin beim Deutschlandfunk und führte das Gespräch mit Mikhail Ovrutsky anlässlich der Aufnahme seiner CD „Turning Points“.

Cover Duo-CD Edel